Eine veränderte Bildungslandschaft

Wir erleben gerade, wie sich die Bildungslandschaft verändert. Die Schließung unter anderem der Universitäten, der Schulen, der Bildungsstätten öffentlicher und freier Träger hat die Frage, wie Inhalte anders als durch Settings mit physischer Peäsenz gelehrt und gelernt werden können, in die Breite getragen. Viele Einrichtungen hatten sich schon vor längerer auf den Pfad ins “Neuland als Lernumgebung” gemacht. Ich selber hatte bereits 2015 als Organisator einer Blended Learning Veranstaltung Erfahrungen sammeln können, die unser Vorbereitungsteam veranlasste, zum Thema e-Learning eine (inzwischen) kostenfreie Broschüre (Link pdf) zu veröffentlichen. Es wurden schon zuvor Angebote wie beispielsweise die Lernplattform Kirche oder Oncampus ins Leben gerufen, Universitäten kreierten eigene – meist auf Moodle basierende – Lernumgebungen.

Ich selber absolvierte eine Fortbildung zum “Blended Learning Coach” (Vorsicht, dies ist ein ungeschützter Begriff und bedeutet nichts!), die mir weitere Einblicke in e-Learning Szenarien ermöglichte. Das was ich sah, war qualitativ sehr unterschiedlich. Teilweise waren (und sind) die digitalen Lernumgebungen einfach schlecht gemacht (fehlende Usability), manchmal fehlte (und fehlt) es an methodischen und didaktischen Kompentenzen der Veranstaltungsträger. Umso wichtiger ist es festzuhalten, dass durch die rasch wachsenen Nachfrage nach “Wie mache ich meine Bildungsangebote digital?” ein großer Markt entstanden ist, den auch meine Organisation (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) aufgreift. Mein Kollege Tobias Albers-Heinemann hat gerade einen wunderbaren Artikel dazu veröffentlicht.

Nachdem ich gemeinsam mit meiner Kollegin Annika Gramoll aus dem Referat Jugendpolitische Bildung schon einige interne Fortbildungen zur Nutzung digitaler Werkzeuge für die Zusammenarbeit durchgeführt und eine Reihe von externen Institutionen in der Umsetzung ihrer Bildungsformate von analog auf digital beraten habe, stellt sich mir die Frage, was bleiben wird. Nach Corona. Da gibt es Kollegen wie den von mir sehr geschätzten Ralf-Peter Reimann, seines Zeichen Pfarrer und Informatiker, der für seinen letzten Blogartikel die gewagte Überschrift >Es gibt kein “Back to normal”< wählte. Er bezog diese Aussage in seinem tollen Artikel auf Gottesdienste, die Erkenntnisse lassen sich meiner Meinung nach aber auch unabhängig vom Format nutzen. Einige Punkte, die er benennt, will ich aufgreifen, da sie in meinen Augen den Kern digitaler Bildungsveranstaltungen bilden:

1. Erkenntniszuwachs: Beteiligung ist einfacher
2. Erkenntniszuwachs: Mehr Dialog
4. Erkenntniszuwachs: Digitale Beteiligung ist altersunabhängig

Was ich erlebe und mir von vielen Menschen auch rückgemeldet wird, ist die Niedrigschwelligkeit der Teilhabe. Des mitmachen können!

Natürlich sind die teilhabemöglichkeiten nicht unbegrenzt. Es gibt Menschen, die von der technischen Entwicklung abgekoppelt sind. Es gibt, oftmal mühsame Wege, diese Menschen wieder anzukoppeln. Mal muss sie gehen wollen! Es gibt unterschiedliche Besucher*innen unserer Online-Veranstaltungen, wie wir sie auch von analogen offline Veranstaltungen kennen. Beispielsweise die Vielredner*innen. Die Stillen. Die Wichtigtuer*innen. Durch die Möglichkeiten der digitalen Werkzeuge können wir dies nicht egalisieren, aber deutlich verringern. Die beispielsweise technisch einfache Möglichkeit, in der von mir verwendeten Software Zoom (das kann auch andere Software wie beispielsweise bigbluebutton) kleine Gruppen zu bilden, trägt wesentlich dazu bei. Über die in den verschiedenen Videokonferenzsoftware enthaltene Chatmöglichkeit lässt sich ebenfalls eine niedrigschwelligere Beteiligung ererichen.

Für mich aber die wichtigeste Erkenntnis: Es geht um Dialog! “Einbahnstraßenkommunikation” hat ihre Berechtigung, schöpft aber nicht die Möglichkeiten aus, die die digitale Technologie bietet. Die von mir ebenfalls sehr geschätzte Kollegin Hanna Jacobs hat in einem vielkommentierten Artikel in der Zeitschrift ZEIT darüber geschrieben, dass Kirche dieses Netz noch nicht verstanden habe. Ich teile diese Auffassung, denn sie trifft auf viele hirarchisch strukturierte große Organisationen zu. Dialog bedeutet Kontrollverlusst. Und das ist gut so!

In diesem Sinne – bleibt gesund und dialogbereit!

 

Foto: Pixabay

Archive

© 2020 Gedankenflimmern . Powered by WordPress. Theme by Viva Themes.