Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Energieverbrauch und Lösungsansätze

In meinem Beitrag letzte Woche, der sich mit der problematischen Rohstoffbeschaffung beschäftigte, fragte ich am Ende, wieviel Strom  eine Suchanfrage kostet und ob eine Bäume pflanzende Suchmaschine eine nachhaltige Lösung sein. Heute ein Antwortversuch. Die Problemstellung ist scheinbar recht eindeutig: “STREAMING HEIZT UNSEREM PLANETEN EIN” lautet der Titel eines Aufsatzes von F. Sühlmann-Fau, als Soziologe und Politikwissenschaftler Autor vieler Bücher und Aufsätze zum Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Ein Artikel in der Neuen Züricher Zeitung ist mit “Streaming ist das neue Fliegen – wie der digitale Konsum das Klima belastet” betitelt. Der Energieverbrauch von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien ist laut einer Studie des “Shift Projects” (pdf) immens und steigt jedes weitere Jahr.

Der ökologische Fußabdruck

Wieviel Strom kostet eine eMail und ist sie weniger ökologisch als ein Brief? Wieviel Strom verbraucht eine Suchanfrage bei Google und Co? Verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht. Die einen behaupten laut einem Artikel bei Quarks, eine Suchanfrage kostet 0,003 kWh, während die anderen 0,0003 kWh errechnen. Mit den Ökobilanzen ist das so eine Sache. Was wird hinzugerechnet? Der Strombedarf des Rechenzentrums geteilt durch die Anzahl der Suchanfragen? Wird der Strombedarf für die Herstellung des Rechenzentrums berücksichtigt? Der Bedarf für die Entsorgung der defekten Elektronik? Die Lebensdauer der verwendeten Hard- und Software? Ökobilanzen sind in der Regel interessengeleitet und beinhalten so viele Variablen, dass eine objektive, genaue Ermittlung unmöglich ist. Fest steht, da sind sich alle einig, dass der Strombedarf der IT immens steigt. Dem gegenüber werden aber auch Ressourcen eingespart. Welche ökologischen Kosten verursacht ein Brief? Die Herstellung des Papieres verbraucht ebenso Ressourcen wie der Versand. Die Heizung des Briefverteilzentrums ebenso wie das Fällen des Baumes oder die Aufbereitung des Recyclingpapiers. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat im Jahr 2003 die Seite www.nachhaltiger-warenkorb.de ins Leben gerufen. Dort ist zu lesen, dass eine Mail ca. 10 Gramm, ein Brief ca. 20g CO2 verursacht. Also alles im grünen Bereich? Mit Nichten, denn der Versand eine Mail kosten weniger “Mühe” als einen  Brief zu schreiben, also wird diese Form der Kommunikation vermehrt in Anspruch genommen. Rebound-Effekt wird das Phänomen genannt. Die Gewinne im Einzelnen werden durch die vermehrte Nutzung aufgehoben oder verkehren sich sogar ins Gegenteil. So wichtig die Feststellung des ökologischen Fußabdrucks ist, so wenig gibt er uns Hinweise, was zu tun ist.

Was zu tun ist

Wichtig erscheint mir, dass nicht eine Seite gegen die andere ausgespielt wird. Briefe haben ebenso wie eMails ihre Berechtigung. Es geht also um zwei Dinge. Effizienz und Suffizienz. Muss jede Mail geschrieben werden? Muss eine Datei tatsächlich an einen größeren Empfängerinnenkreis versendet werden oder wird sie zum Download auf einem Dateiserver abgelegt, wo sie bei Bedarf abgerufen werden kann? Suffizienz bedeutet: Verzichten! Effizienz bedeutet: Ressourcenschonende Nutzung. Beides ist zu berücksichtigen. So ist es schon auch entscheidend, wo die Mail abgerufen wird. Zuhause im WLAN oder auf dem Mobilphone macht einen Unterschied. Den Mailanbieter dort auswählen, wo das Rechenzentrum mit Strom aus regenerativen Quellen versorgt wir, ist ein Baustein. Oder für eine Internetrecherche einfach mal Ecosia nutzen, eine “ökologische Suchmaschine“.

Übrigens: Der Energieversorger Ovo Energie hat für Großbritannien eine Rechnung aufgestellt:  Jeden Tag sollen in Großbritannien 64 Millionen unnötige Mails versendet werden. Pro Tag eine “Danke eMail” weniger versenden würde 16.433 Tonnen CO2 jedes Jahr einsparen. Nicht mitgerechnet ist sicherlich noch das Ausdrucken der Mail.

Der Besuch dieser Seite gedankenflimmern.de verbraucht laut einer Berechnung 0,59 Gramm CO2. Bei 10.000 Besuchen im Jahr könnte ich mit der Pflanzung von vier Bäumen die Bilanz ausgleichen. Wenn die Berechnungen stimmen. Nun, ich werde zehn pflanzen lassen.

 

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